Kulturring Wegberg eV

 

 

Wieder Wanderungen mit dem Nachtwächter

Zwei Jahre lang hat der Kulturring keine Nachtwächter-Wanderungen durch Wegberg angeboten – die Corona-Pandemie war schuld. Aufgrund des Impffortschritts bietet der Kulturring nach Absprache mit Nachtwächter Karl Küppers im Herbst wieder Wanderungen an: An den Sonntagen, 24. Oktober, 21. November und 5. Dezember. Nachtwächter Karl startet mit seinen Gästen um 18 Uhr an der Wegberger Mühle neben dem Rathaus. Von dort aus wird er im passenden Outfit und mit Hellebarde und Laterne durch die Mühlenstadt wandern, den Teilnehmern interessante Gebäude und Bereiche der Stadt vorstellen und die historischen Zusammenhänge erläutern. Die zweistündige Führung kostet vier Euro, Kinder bis 14 Jahre kostenfrei. Anmeldung erwünscht bei Ulrike Derichs im Rathaus, Telefon 02434/83512 oder per Mail an ulrike.derichs@stadt.wegberg.de



Als Raketen in Wegberg standen . . .

Das dürfte die Mitglieder und Freunde des Kulturrings interessieren: Mit einer ausgezeichneten Aktion bietet der Historische Verein Wegberg den Mitbürgern, die eben aufgrund der Corona-Pandemie auf vieles verzichten müssen, sich aber für die Geschichte ihrer näheren und weiteren Umgebung interessieren, etwas Abwechslung - mit dem "Heimkino". Darin findet man Beiträge von der Krönung Karls V. vor 500 Jahren in Aachen über Archäologie bis zur "Berker Klängerstu'ef". Und ein Beitrag befasst sich mit der militärischen Situation vor rund 40 Jahren in Wegberg, die 1981 in einer ausführlichen TV-Dokumentation behandelt wird. Dabei geht es um die damals in Arsbeck stationierten US-Raketen.

Der Vorsitzende des Historischen Vereins, Hermann-Josef Heinen, der sich beim Autor der Dokumentation, Dr. Andrej Bockelmann, um die Veröffentlichung bemüht hat, schreibt dazu: Die 80er Jahre entwickeln sich zum gefährlichsten Jahrzehnt in der Geschichte der Menschheit: Ein dritter Weltkrieg wird aufgrund der weltweiten Aufrüstung immer wahrscheinlicher: sowjetische SS-20 Raketen, atomare Aufrüstung der amerikanischen Mittelstreckenraketen Pershing II und Flugabwehrkörper Cruise Missiles, NATO-Doppelbeschluss. 

Und wie war die Situation in Wegberg, dort wo vermutlich bereits Raketen stationiert worden waren? Der WDR wollte es wissen und beauftragte den Dokumentarfilmer Andrej Bockelmann, ein Stimmungsbild der Bevölkerung in Wegberg einzufangen. Der WDR sendete die Dokumentation "Mit Raketen leben, Beispiel Wegberg" in seinem 3. Programm am 12. Juni 1981 um 21.00 Uhr in der Sendereihe "Reporter - Berichte aus Deutschland" (Laufzeit 29:54 min).

Im März 2020 hat der Filmemacher Andrej Bockelmann (Jahrgang 1941) seinen Film von 1981 nochmals veröffentlicht und kündigt ihn auf Youtube so an: "1981. Die US Regierung hat beschlossen, Atomraketen im rheinländischen Wegberg nahe Mönchen-Gladbach zu stationieren. Eine Bürgerinitiative wird aktiv - eindrucksvoll unterstützt von der Friedensbewegung. Andrej Bockelmann war mit seinem Kameramann Ian Millar für eine WDR-Reportage vor Ort. Entstanden ist ein immer noch sehenswertes Stück Zeitgeschichte mit viel Lokalkolorit."

Auf telefonische Nachfrage zeigte sich Herr Bockelmann sehr angetan von der Idee, dass wir seinen Film in unserem 'Heim@kino' zeigen wollen und er freut sich auf positive Rückmeldungen von Personen, die er 1981 in Wegberg kennengelernt hat. Er stellt auch gerne Kopien des Films auf DVD zur Verfügung. Interessenten können sich per E-Mail an historischer-verein-wegberg@t-online.de  wenden. 

Auch wenn die Dokumentation (an der übrigens Folkmar Pietsch, damals Redaktionsleiter der Rheinischen Post Erkelenz und ehemaliger Kulturring-Vorsitzender, mitgewirkt hat) an Geschehnisse und eine Zeit erinnert, die viele Bürger beunruhigt hat, meint Hermann-Josef Heinen,"sollten wir die Augen nicht vor der Geschichte verschließen und jeden Tag dankbar sein, dass wir hier und heute in Frieden leben können. Das war und ist nie und nirgendwo selbstverständlich. 

.... und schauen Sie genau hin: Sie werden sicherlich viele Gesichter oder auch sich selber wiedererkennen." Zum Heimkino des Historischen Vereins gelangt man unter:  http://www.historischer-verein-wegberg.de/heim@kino.php




Rückblick

Die 3. Wegberger Literaturtage boten gleich mehrere Höhepunkte: von Elke Heidenreich bis zum Literaturpreis


Von FOLKMAR PIETSCH

Aller guten Dinge sind drei. Das bewog den Kulturring, die 3. Wegberger Literaturtage zu veranstalten. Und die wurden ein Erfolg. Schon mit der Auftaktveranstaltung hatte das Organisationsteam – Kulturring-Vorsitzender Willy Meersmann, Buchhändler Ulrich Kirch sowie Günter Arnolds und Peter C. Schmitt von den SiebenSchreibern – einen guten Griff getan: Zu Gast war die Schriftstellerin und Journalistin Elke Heidenreich, die, am Flügel begleitet von ihrem Lebenspartner  Marc-Aurel Floros, mit der Lesung aus ihrem Buch „Männer in Kamelhaarmänteln“ für einen amüsanten Abend im Forum sorgte.

Elke Heidenreich eröffnete mit ihrer Lesung die 3. Wegberger Literaturtage.                                                                                                                                       Foto:Jürgen Laaser

„Nach langer Zeit der Käfighaltung“, so Elke Heidenreich in Anspielung auf die vergangenen Corona-Regelungen, als sie angesichts der 300 Besucher und Besucherinnen im Forum ihr Buch aufschlug –  „kein Buch über Mode, sondern über Klamotten“. Sie erinnerte sich an ihre Kindheit „Schülerinnen tragen Kleider und keine Hosen“ und an „modische Verirrungen in meinem Leben“, erzählte von einem Kleid aus Samt und Seide, in das sie sich beim Anblick in Venedig verliebt hatte. Obwohl es in der Größe 34,  „ich habe aber 40-42“, war, kaufte sie es, ließ es in Seidenpapier verpacken und hängte es daheim ins Schlafzimmer, „um es immer wieder zu betrachten, weil es einfach schön war.“

Mit vielen Kurzgeschichten fesselte Elke Heidenreich ihr Publikum. Ob mit der Geschichte von Carlo, der erst nach zwölf Jahren des Beisammenseins zugab, farbenblind zu sein, von Irrungen und Verwirrungen bei Karnevalskostümen oder von ihrer Eröffnungsrede einst bei den Salzburger Festspielen, zu der sie Mutters Festkleid angezogen hatte - mit  Mottenlöchern am Rücken, was zwei Damen auf der Toilette "gar nicht fesch fanden".. Und mit Blick auf den Buchtitel schilderte sie recht anschaulich, wer alles Kamelhaarmäntel trägt – vom Wirtschaftsboss über den Rechtsanwalt bis zur Mafia: „Für sie alle sollte der Kamelhaarmantel abgeschafft werden, denn keiner kann den so tragen, wie mein Vater. . .“ (s. auch Presseschau)

Fleißig signierte Elke Heidenreich ihre Bücher am Stand der Buchhandlung Kirch, assistiert (v. r.) von Ulrich Kirch und dem Vorsitzenden des Kulturrings, Willy Meersmann.                                                                                             Foto: Kulturring

"Das Literarische Quartett"

Ein besonders informativer Abend  der 3. Wegberger Literaturtage war „Das Literarische Quartett“, das von Luisa Seeling, Gesang, und Wolfgang Wittmann an der Gitarre musikalisch umrahmt wurde. Moderatorin Inge Koch-Wittmann hatte vier inhaltlich sehr unterschiedliche  Romane ausgesucht, die dem Team auf der Forum-Bühne – Dr. Frauke Dennig-Schmitz, Robin Bannerjee und Lukas Kamp – einiges abverlangten. Bei der Diskussion über die von ihnen gelesenen und vorgestellten Bücher „Klare Sache“ von Denise Mina,, „Stern 111“ von Lutz Seiler, „Der gefrorene Himmel“ von Richard Wagamese und „Die Unschärfe der Welt“ von Iris Wolff gingen die Meinungen oftmals weit auseinander. So meinte  Frauke Dennig-Schmitz, bei der Lektüre der rumänischen Familiengeschichte  in „Die Unschärfe der Welt“ hätten sich für sie Bilder entwickelt, „die mich am Anfang runtergezogen haben – ich musste einfach weiterlesen“. Sie nannte das Buch „beeindruckend“, während Robin Banerjee von einem „ganz tollen Buch, in dem die beschriebenen Gefühle mich sehr berührten“ sprach, „das für mich schwer zu lesen war“, wie Lukas Kamp ergänzte.

Das Literarische Quartett mit (von links) Inge Koch-Wittmann, Lukas Kamp, Robin Banerjee und Dr. Frauke Dennig-Schmitz sowie mit Sängerin Luisa Seeling und Wolfgang Wittmann an der Gitarre.                                                  Foto: Folkmar Pietsch

Auch bei den übrigen Büchern zeigte sich in der engagiert geführten Diskussion, dass die  Geschichten bei jedem Leser, jeder Leserin eine andere, ja manchmal sogar gegensätzliche Wirkung hervorriefen. Besonders intensiv befasste sich das Leseteam mit „Der gefrorene Himmel“. Das Buch – ganz aktuell durch den Fund von Gebeinen Hunderter indigener Kinder in ehemaligen kanadischen Internaten vor ein paar Monaten – beschreibt die Geschichte des kleinen Saul Indian Horse: Trotz unzähliger Nackenschläge gibt es für den Jungen ein glückliches Ende – dank seiner Großmutter und seines Eishockey-Engagements. Für Lukas Kamp war das Buch „sehr aufwühlend“, während Frauke Dennig-Schmitz von einem „Mutmacher-Buch“ sprach, und Robin Banerjee enthusiastisch sagte: „Das ist das beste Buch des Abends.“


Auch an die Kleinen gedacht

Märchenerzählerin Gabriele Claßen verstand es, ihr junges Publikum zu begeistern.

Szene aus dem Grimmschen Märchen "König Drosselbart": Prinzessin Katharina (Verena Bill) und ihr Vater (Michael Koenen).                              Foto: Folkmar Pietsch

Natürlich hatten die Organisatoren der Literaturtage auch an die kleinen Bücherfreunde gedacht. So zog die Wegberger Märchenerzählerin Gabriele Claßen mit ihrer hinreißenden Erzählweise kleine und große Zuhörer in ihren Bann,  und als das Niederrhein-Theater Brüggen den „König Drosselbart“ aufführte, waren die Jungs und Mädels schier aus dem Häuschen. Voller Begeisterung folgten sie der Geschichte von der widerspenstigen Prinzessin Katharina, die hochmütig alle ihr vorgestellten hochherrschaftlichen Freier  verspottet und ablehnt bis ihr Vater sie mit einem bettelarmen Spielmann verheiratet – der sich später jedoch als der reiche König Drosselbart entpuppt. Den Darstellern Verena Bill und Michael Koenen gelang es, durch schnellen Kostüm- und Requisiten-Wechsel den kleinen Zuschauern nicht nur die Geschichte näher zu bringen, sondern hautnah zu zeigen, wie Theater gemacht wird.

"Hautnah" - die SiebenSchreiber

"Hautnah": Die SiebenSchreiber lasen ihre neuen Werke vor.     Foto: SiebenSchreiber

„Hautnah“ war auch die Überschrift, als die SiebenSchreiber ihre neuesten Werke vortrugen. Das waren wieder die typischen SiebenSchreiber, meinte ihr Sprecher Günter Arnolds: Zum selben Thema „Hautnah“  sieben Varianten, wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können. Entsprechend dem Thema waren dann auch alle Beiträge hautnah im wahrsten Sinn des Wortes. Von eindringlichen Kurzgeschichten und Erzählungen  zu menschlichen Schicksalen mit Erlebnissen von Missbrauch oder Terror, die buchstäblich unter die Haut gingen, bis hin zu Beiträgen, die das Publikum zum Schmunzeln brachten wie die Probleme eines Strohwitwers bei der Haushaltsführung ohne Ehefrau oder die intensive Beschreibung einer sinnlichen Hautmassage, die sich schlussendlich als Anleitung zur Zubereitung eines Perlhuhnes im Backofen herausstellte. Renate Müller, Peter C. Schmidt, Anneliese Baatz, Annemarie Lennartz, Inga Lücke, Cora Imbusch und Günter Arnolds schafften es, Bilder in den Köpfen der Zuhörer zu erzeugen und das Publikum in einem Wechselbad der Gefühle durch den Abend mitzunehmen – mal auf der Haut, mal unter der Haut, mal mit Gänsehaut.


Erster Wegberger Literaturpreis für Heidi Hensges

Die zehn Autoren und Autorinnen, die von der Jury (in der zweiten Reihe) als die besten der 60 Teilnehmer und Teilnehmerinnen bewertet worden waren, trugen ihre Beiträge vor dem Publikum vor. Auf unserem Foto gratuliert Kulturring-Vorsitzender Willy Meersmann der Siegerin Heidi Hensges. In der Mitte die Jugendpreis-Gewinnerin, die elfjährige Paula Schott.


Der Abschluss der 3. Literaturtage war gleichzeitig der Höhepunkt: Kulturring-Vorsitzender Willy Meersmann kündigte die Vergabe des 1. Wegberger Literaturpreises an und sorgte damit für Spannung. Vor allem bei den zehn Autoren und Autorinnen, deren Beiträge von einer Jury – Christa Klinger,  Beatrice Meersmann, Michael Heckers, Folkmar Pietsch und Ralf Wolters – aus 60 Einsendungen ausgewählt worden waren und die sie nun vor Publikum vortrugen. Die Zuhörerinnen und Zuhörer, die jeden Vortrag mit starkem Applaus belohnten, konnten über die Beiträge abstimmen, wobei eine große Übereinstimmung mit der Jury-Bewertung offenkundig wurde: Auf den dritten Platz kam Heike Dahlmanns mit ihrer Geschichte „Original und Fälschung“, den zweiten Platz erzielte Romy Broemme mit dem Gedicht „Die Knolle von der Rolle“ und Siegerin wurde Heidi Hensges mit der Geschichte „Im Lächeln der Welt“. Ihr überreichte der Schirmherr der 3. Literaturtage, Bürgermeister Michael Stock die Urkunde „Wegberger Literaturpreis“, dotiert mit 500 Euro von der Kreissparkasse Heinsberg. Und den Jugendpreis des Wettbewerbs erhielt die elfjährige Paula Schott für ihre Geschichte „Penelope und das Geheimnis“. Einen ausführlichen Bericht über den 1. Wegberger Literaturpreis finden Sie in der Presseschau.